Fünf Zuchtjahre – ein sehr seltenes Ereignis bei einem Dompfaffpaar und eine besondere Erfahrung zu einem Brutverlauf

Ein sehr seltenes Ereignis deshalb, weil vor dieser Zeit das Paar oder auch nur ein Partner oft durch Tod und/oder Erkrankung ein fünftes Zuchtjahr nicht mehr erleben können bzw erleben kann. Auch vier Zuchtjahre erleben aus diesen Gründen nur wenige Paare oder Einzeltiere.

Ein in den letzten Tagen ganz unerwartet und überraschend im fünften Jahr nochmals zur Brut geschrittenes Dompfaffpaar (Das Beitragsbild zeigt das betreffende Paar) hat uns bewogen, die zu diesem Ereignis führende “Geschichte” in diesem gesonderten Beitrag vorzustellen.

Der Hahn (braun/spalt in braunpastell) und die Henne (braunpastell) wurden beide in 2012 geboren, von verschiedenen Züchtern erworben und ab 2013 zur Zucht eingesetzt. Es brütete 3 Jahre von 2013 bis 2015 – immer in der gleichen Box – mehrmals erfolgreich. In 2016 brütete es ob eines besonderen Umstandes nur einmal ( Näheres dazu ist im Beitrag “Nistplatzbedeutung für eine unserer Dompfaffhennen” nachzulesen ).

Nach 4 Zuchtjahren sollte das Paar in 2017 nicht mehr brüten, weil wir ihm eigentlich kein 5. Zuchtjahr mehr zumuten wollten, weil alle Zuchtboxen von jungen Paaren besetzt waren und ihm ob der im Vorjahr gemachten Erfahrung auch kein Nistkasten mehr in der Innen- als auch in der Außenvoliere als Brutplatz angeboten werden sollte. Es lebte also zu Beginn der Zuchtsaison in der Innen- und Außenvoliere.

Entgegen der Züchterplanung vor Saisonbeginn geschah nun folgendes:

 

Bild 1 – eingestellt

am 06.07.2017

Aus dieser Zuchtbox entflog schon bald nach Beginn der Zuchtsaison noch vor dem ersten Gelege ein junges Braunpastell Dompfaffpaar aus 2016 (Näheres dazu im Beitrag “Impressionen aus der Zuchtsaison 2017”, Bild 3). Eine junge Zuchtreserve war nicht vorhanden. Insoweit kam der Gedanke auf, einmal festzustellen, ob ein altes Paar, im 5. Zuchtjahr vielleicht doch noch Nachwuchs zeugt und aufzieht. Insoweit wurde das Paar aus der Voliere genommen und an einen anderen Standort in unserem zweiten Zuchtraum in diese Box verbracht.

Es lebte dort rund 6 Wochen. Obwohl der Hahn Balzverhalten zeigte, machte die Henne keine Anstalten, ein Nest zu bauen und eine Gelege zu produzieren. Den Hahn nahm sie fast teilnahmslos zur Kenntnis. Unsere Annahme: Die einzige Brut in 2016 (4. Zuchtjahr) war wohl die letzte.

 

Bild 2 – eingestellt

am 07.07.2017

Insoweit wurde das Paar wieder an seinen angestammten Zuchtraum zurück geholt und in der kleinen Zuchtbox für Birkenzeisige und Fifefs`(Bild links) “geparkt”. Weil der Hahn auch in der kleinen Box balzte und die Henne ihm gegenüber zugänglicher schien, wurde nach etwa 14 Tagen von außen ein Nistkasten an der Box angehängt und siehe da, die Henne baute in dieser kleinen Box ein – wenn auch ein “spärliches” – Nest und legte darin ein Ei ab. Dabei blieb es. Das einzige Ei bebrütete sie nicht. Dies bestärkte uns in der unter Bild 1 erwähnten Annahme. Das Ei wurde dann einer Amme untergelegt.

 

 

Bild 3 – eingestellt

am 07.07.2017

Das Ei war befruchtet und wurde ausgebrütet. Das Paar war also zumindestens noch in der Lage, auch im fünften Zuchtjahr noch befruchtete Eier zu erzeugen. Das Bild zeigt ihren – wenn auch von einer Amme – ausgebrüteten und groß gezogenen Nachwuchs. Das Paar wurde dann wieder in die Voliere umgesetzt.

 

Bild 4 – eingestellt

am 07.07.2017

Weil die Henne zu unserer großen Überraschung in der Voliere das Balzen des Hannes deutlich erwiderte und sie vorher in der kleinen Zuchtbox ja auch schon ein befruchtetes Ei gelegt hatte, stellten wir dem Paar in der Voliere erneut einen Nistkasten zur Verfügung. Darin bebrütet sie seit dem 04.07.2017 das letzte Dompfaffgelege der Zuchtsaison 2017 mit 4 Eiern.

 

 

 

Nach dem 18.07.2017 wird in diesem Beitrag zu lesen sein, ob diese Eier ebenfalls (noch) befruchtet waren, ausgebrütet wurden und auch JV von diesem Paar im 5. Zuchtjahr noch selbst groß gezogen werden!!!

 

Bild 5 (13 B.) – eingestellt

am 18.07.2017

 

An dem erwarteten Geburtstag der JV begann eine unerwartete und bedrohlich wirkende Entwicklung des Brutverlaufs, der vielleicht und hoffentlich am Schluß doch noch mit einem “Happy- End” für die Henne und letztlich auch für den Hahn ausgehen könnte ???????.

Der Reihe nach:

Morgens beim Füttern wurde bemerkt, dass die Henne nicht auf dem Nest saß, also nicht brütete. Arglos wurde noch an ein vorübergehendes Verlassens des Nestes zur Futteraufnahme und/ oder einen kurzen Ausflug in die Außenvoliere gedacht, diese Annahme aber nicht näher überprüft. Mittags wurde die gleiche Beobachtung gemacht und bemerkt, dass die Henne vor dem Hahn in die Außenvoliere flüchtete und auch nach 30 Minuten noch nicht zum Brüten zurückgekehrt war. Jetzt (leider erst jetzt) ging bei uns die “rote Züchterlampe” an und es wurde umgehend das Gelege kontrolliert. Festgestellt wurde, dass die Eier bereits fast gänzlich erkaltet waren. Insoweit war klar, dass die Henne vormittags nicht mehr oft und lange gebrütet haben konnte. Was tun???

Da eine Brutaufgabe und damit der Verlust des vielleicht letzten Geleges des Paares nicht ausgeschlossen werden konnte, war schnelles Handeln geboten. Wir verfuhren daher wie folgt:

 

Bild 5,1, 5,2, 5,3,5,4 und 5,5 (Aufnahme 12.45h)

Wir nahmen den Hahn aus der Voliere und entnahmen ihrem Nest (Bild 5,5) die 4 Eier und legten davon 3 befruchtete Eier einer weißen Fifehenne unter, die 4 eigene Eier bebrütete. Von den eigenen beließen wir der Fifehenne noch 2, sodass bei ihr jetzt 5 Eier (3 Dompfaff- und 2 eigene – die hinteren – Bild 5,1 ) unterlagen. Das Bild 5,2 zeigt, dass sie unmittelbar danach wieder brütet und diese Veränderung problemslos akzeptiert hat. Ihr Partner, ein intensiv gelber Hahn, schaut zu. Ihre anderen 2 Eier reichten wir weiter und legten sie ein anderen weißen Fifehenne (Bild 5,3 und 5,4), die ohne Partner derzeit als Amme ebenfalls noch 3 Dompfaffeier bebrütete und gerade Futter aufnahm.

Beide Fifehennen bebrüten also ab 12.45h jeweils 3 Dompfaffeier und jeweils 2 Fifeeier.

 

. B. 5,1 B 5,2 B. 5,3 B. 5,4

 

Vorsorglich legten wir in das Nest der Dompfaffhenne ( B. 5,5 ) 4 Kunsteier. Der Gedanke: Die Henne könnte vielleicht aus der Außenvoliere zurückkehren und die Brut womöglich doch noch fortführen; dies tat sie aber nicht, was in der Zeit von 13.00h bis ca. 18.30h durch halbstündliche Kontrollen überprüft wurde.

 

B. 5,5

 

 

Bild 5,6 und 5,7 (Aufnahme 18.47h)

Große Überraschung (die Henne brütet wieder ) und zugleich eine bittere Erkenntnis (sie brütet mit einer Kopfverletzung). Den Umfang und die schwere der Verletztung erkennt man bei einer Vergrößerung des Bildes sehr deutlich. Der ausgerechnet am letzten Bruttag nochmals besonders “paarig/triebig gewordene Hahn hatte sie wohl schon vormittags so zugerichtet und vom Nest vertrieben.

Glücklicherweise war ihr Bruttrieb ungeachtet der schweren Kopfverletzung noch so stark, dass sie nach der Verklumpung des Blutes, nach der Krustenbildung auf dem verletzten Kopf und Überwindung ihrer Angst vor dem agressiven Partner doch noch einmal zum Nest zurück gekehrt war und die Brut wieder aufgenommen hatte.

Zur Ehrenrettung des Hahnes sei gesagt, dass wir ein solches Verhalten bei ihm in den Vorjahren und bis einschließlich 17.07.2017 noch nie beobachtet haben. Er musste bisher nie beim Brutgeschäft von seiner Partnerin getrennt werden!!! Er war bisher immer ein beispielhafter Brutpartner!!! Zu der Ursache seines heutigen Verhaltens haben wir keine Erklärung!

Bild darunter – der jetzt von ihr in einer Brutbox getrennt sitzende Hahn

 

Und nun die weiteren Geschehnisse im Minutentrakt !!!!!!

 

Bild 5,8 und 5,9 (Aufnahme 19.03h)

In der Brutbox der Fifehenne (Bild 5,2 ) wird auf dem Boden der Box eine Eischale entdeckt. Welchevon einem Dompfaff- oder von einem Fifeei? Volltreffer: von einem Dompfaffei!!!

Das andere Bild rechts zeigt den gerade ausgefallenen JV.

 

Bild 5,10 (Aufnahme 19.08h)

In der Wohnung am PC-Bildschirm beobachten wir mittels Bildübertragung, ob und wann die Dompfaffhenne das Nest heute nochmals verlassen wird.

Dies tat sie dann zur Futteraufnahme um 19.53h.

 

Bild 5,11 und 5,12 (Aufnahme 19.55h)

Wir wollten dieser außergewöhnlichen und mutigen Dompfaffhenne ermöglichen, die Brut und Aufzucht der Jungen fortzuführen. Deshalb haben wir aus ihrem Nest nach rund 6 Stunden die Kunsteier wieder entnommen und ihr wieder ihre eigenen Eier nebst dem zwischenzeitlich bei der Fifehenne geschlüpften JV mit seiner Eischale untergelegt. Somit lagen jetzt im Nest der Fifehenne nur noch ihre verbliebenen zwei eigenen Eier.

Ist die Dompfaffhenne zum Nest zurück gekehrt; hat sie den bei der Fifehenne geschlüpften JV angenommen, das nunmehr wieder eigene Gelege weiter bebrütet und hat die Fifehenne weiter gebrütet, obwohl soeben aus ihrem Nest “ihr” gerade geborenes Junge verschwunden ist ???

 

Bild 5,13 (Aufnahme 20,03h)

Beide Hennen haben dies kurze Zeit später um 20.03h bereits wieder getan. Auch die Fifehenne brütet zu dieser Zeit wieder. Das Bild zeigt die nach dem erneuten Tausch zum Nest zurück gekehrte Dompfaffhenne.

 

Wir sind nun äußerst gespannt, wie es in den nächsten zwei Tagen weitergeht; insbesondere, ob ihre zwei verbliebenen Dompfaffeier noch ausfallen, ob sie die Kopfverletzung überlebt und ob diese Verletzung sie nicht an der Aufzucht hindern wird.

Schlimmstenfalls haben wir ja noch “zwei weitere Patronen in Reserve” ( 1. erneute Unterlage bei der Fifehenne, also doch noch endgültige Ammenaufzucht oder – sollte dies nicht funktionieren – 2. am Ende der Zuchtsaison noch eine Dompfaffhandaufzucht.

In jedem Fall werden wir morgen der Fifehenne von Bild 5 (B. 5,2) ihre zwei an die andere Amme von Bild 5 (B. 5,4) weiter gereichten Eier wieder zurück geben, so dass sie dann alle ihre 4 eigenen und bis 12.44h bebrüteten Eier wieder zusammen weiter bebrüten kann. Dies hätten wir heute schon tun können, aber am Ende doch noch vergessen.

 

Bild 6 ( 3B., 1 V.) – eingestellt

am 20.07.2017

Das “Experimentieren” am 18.07.2017 wurde mit dem schönsten Tag der Zuchtsaison 2017 belohnt !!! (siehe Bilder und Video)

  1. Die Henne hat überlebt. Die Kopfwunde ist trocken und geschlossen.
  2. Die restlichen zwei Eier waren ebenfalls noch nicht abgestorben und wurden von ihr wieder selbst ausgebrütet. Sie hat jetzt 3 JV im Nest (ein Ei war leider nicht befruchtet).
  3. Sie füttert und hudert zuverlässig in gewohnter Weise wie in den Vorjahren.
  4. Es gibt sie also doch; alte Zuchtpaare, die auch im 5. Zuchtjahr noch erfolgreich Nachwuchs zeugen und ein Gelege ausbrüten. Wir werden allerdings kein Risiko eingehen und den Hahn nicht mehr zu ihr in die Voliere lassen. Sie wird die 3 JV also allein großziehen.

Die 3 JV im Video

Die drei JV im Bild

Die hudernde und dabei schlafende Henne

Die vorübergehende Amme (Fifehenne), die nur rund 6 Stunden 3 Dompfaffeier bebrütete und eins davon am Ende dieser Zeit zum Schlüpfen brachte und unmittelbar danach den JV und die zwei noch nicht geschlüpften Eier an die Dompfaffhenne zurückgeben musste..


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.